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Chiaroscuro
Der Wechsel von Licht und Dunkel, von Tag und Nacht, von Frühling und Winter, von Geburt und Sterben sind Grunderfahrungen menschlicher Existenz.
Bereits in vorantiker Zeit verehren die Menschen die Sonne als Gottheit, die den Tag bringt und auch die Christen feiern ihren Erlöser als "das neue Morgenrot", denn bis zur Erfindung der Elektrizität ist es der tägliche Wechsel von Licht und Dunkelheit, der das Leben der Menschen stets von Neuem leitet. Doch auch im Innern eine Jeden spielen sich Wechsel von Licht und Dunkelheit ab: Phasen der Lebensfreude, des Erfolgs im Privaten und Beruf wechseln sich ab mit Phasen existenzieller Finsternis.
Das neue Programm "Chiaroscuro" spielt auf diese Grunderfahrungen des Menschen an, die sich in den verschiedenen Kompositionen auf sehr vielfältige Art realisieren.
In der geistlichen Musik entwickelt sich der Kontrast in der Annäherung an die zentralen Mysterien der christlichen Offenbarung: Gott wird von Maria als Mensch geboren, um als Mensch zu sterben. In seiner Auferstehung erscheint er als Licht, das den Menschen die Erlösung verheißt; in der Eucharistie feiert man die Erwartung seiner Wiederkunft, die uns Trost spendet.
Zutiefst geistlich, aber dennoch auch der Dunkelheit dieser Welt entsprungen, ist die Trauermotette "Wie liegt die Stadt so wüst". Zur Karwoche 1944 komponiert, drückt sie mit Worten des Alten Testaments die ganze existenzielle Dunkelheit der Verwüstungen aus, die durch den Zweiten Weltkrieg entstanden sind.
Mit dem Mäandern zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und unerfüllter Sehnsucht beschäftigen sich auch die Stücke mit weltlichem Hintergrund, die ihre Texte unter anderem aus der römischen Mythologie beziehen.